Archiv- und Dokumentationszentrums
für soziale und pädagogische Frauenarbeit
am 18. Mai 2001
im Pestalozzi-Fröbel-Haus, Haus I, Raum 202
Karl-Schrader-Str. 7-8, D-10781 Berlin
Veranstalter:
PFH, ASFH Berlin und
Jüdische Volkshochschule Berlin
Unterstützt durch:
Hermann Luchterhand Verlag und
Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg
Das Archiv- und Dokumentationszentrum für soziale und pädagogische Frauenarbeit umfaßt die historischen Archive des Pestalozzi-Fröbel-Hauses und der Alice-Salomon-Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik Berlin. Es dokumentiert wichtige Entwicklungen moderner Sozialpädagogik und Sozialer Arbeit seit ihren Anfängen im 19. Jahrhundert und während des Nationalsozialismus. Sowohl das Pestalozzi-Fröbel-Haus, gegründet von Henriette Schrader-Breymann, wie die Soziale Frauenschule, gegründet von Alice Salomon, waren herausragende Bildungsprojekte der bürgerlichen Frauenbewegung.
Das Archiv- und Dokumentationszentrum für soziale und pädagogische Frauenarbeit hat zum Ziel, die Sammlungen der historischen Quellen zu erhalten, erweitern und der Öffentlichkeit zugängig zu machen, Forschungen anzuregen und zu unterstützen und den Austausch zwischen Fachhochschulen, Universitäten und Fachschulen zu fördern. Ein Beitrag dazu soll das Eröffnungscolloquium zu dem Stichwort bilden: Sozialpädagogik und Geschlechterverhältnis zwischen 1900 und 2000.
Die Archive zeigen, daß die Entwicklung von Sozialer Arbeit und Sozialpädagogik nicht von der Entwicklung des Geschlechterverhältnisses getrennt werden kann. Ihre Sammlungen sind ein Dokument dieses Zusammenhanges, sie zeigen wie die Frauen, die hier lehrten, lernten und praktisch tätig waren, diesen Zusammenhang reflektierten, interpretierten und mit ihm umgingen.
Heute stechen eher Fragen hervor, wie angesichts weiter zunehmenden beruflichen Engagements von Frauen bei gleichzeitiger Zunahme der Zahl alleinerziehender Frauen und der weitgehend unveränderten Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen im Bereich der Reproduktion Kindern ausreichende soziale Entwicklungsmöglichkeiten garantiert werden können, bzw. wie sich die Veränderungen im Geschlechterverhältnis auf deren Entwicklung auswirken und welche sozialpädagogischen Konsequenzen daraus zu ziehen sind.
Das Colloquium soll eine Möglichkeit bieten, die angeschnittenen Fragen im Austausch zwischen Vertreterinnen der sozialpädagogischen Praxis, der Lehre und der Forschung zu erörtern, es soll den Beitrag verdeutlichen, den die Archive leisten können, und Anregungen für eine weitergehende Nutzung der Archive geben.
Adriane Feustel, Helga Metzner, Sabine Sander, Erika Sommer
Begrüßung
10.30 Uhr
Sabine Hebenstreit-Müller,
Direktorin des PFH
Christine Labonté-Roset,
Rektorin der ASFH
Vorstellung des Archiv- und Dokumentationszentrums
für soziale und pädagogische Frauenarbeit
Adriane Feustel, Sabine Sander
Sozialpädagogik und Geschlechterverhältnis 1900
Sozialpädagogik und Geschlechterverhältnis 2000
Verleihung des Alice-Salomon-Award an Alice Shalvi
Empfang
17.00-18.00Uhr
Grußwort des Stadtrats für Schule, Bildung und Kultur
Ekkehard Band
11.30 Uhr
'Glücklich ist, wer seine Arbeit gefunden hat'
Frauen und Männer soziale Arbeit und soziales Engagement in der Zeit um1900
Iris Schroeder
12.00 Uhr
Berichte aus Archiven zur Frauen- und Sozialgeschichte
Heidi Koschwitz (Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen),
Christiane Schuchard (Helene-Lange-Archiv/LA),
Cornelia Wenzel (Archiv der deutschen Frauenbewegung),
Petra Zwaka (Schöneberg Museum)
12.45 Uhr
Pause mit Mittagsbüffet
13.30 Uhr
Unterschiede im Theorieverständnis von Sozialarbeit/Sozialpädagogik -
Auf der Spurensuche nach einem gesellschaftlichen Geschlechterverhältnis
Silvia Staub-Bernasconi
14.00 Uhr
Berichte aus der Sozialpädagogischen Praxis
Barbara Kühnel (Kitaberatung)
Renate Müller (Kitaleiterin),
Dotothee Ruddat (Nachbarschafts- und Famileintreffpunkt)
14.30 Uhr
Diskussion
15.15 Uhr
Besichtigung der Archive
16.00 Uhr
William Boyce (1711-1779) Sinfonia B-Dur, 1. Satz
Schöneberger Kammerorchester,
Dirigentin: Sabine Wüsthoff
Laudatio: Nicola Gallina,
Leiterin der Jüdischen Volkshochschule
16.30 Uhr
The Ideal of a Welfare State
Alice Shalvi
Bela Bartok (1891-1945) Rumänische Tänze
Schöneberger Kammerorchester,
Dirigentin: Sabine Wüsthoff
Alice Shalvi
„is considered Israel's most outspoken and active Conservative Jewish feminist, and she is known for persistently challenging Israel's male-dominated establishment in her quest for equal opportunity, equal reward and equal status for women.“ (Brown University News) In Essen geboren, emigrierte sie mit 8 Jahren 1934 nach England, studierte in Cambrigde English literature und an der London School of Economics and Political Science Social Work. Seit 1949 lebt sie in Israel. Alice Shalvi, Mutter von sechs Kindern, war bis 1990 Professorin für Englische Literatur und Sprache an der Hebrew University und der Ben Gurion University , leitete 1975-1990 die Pelech Religious Experimental High School for Girls, war 1984-1997 Gründerin und Voritzende des israelischen „Women's Network“ und 1999-2000 als erste Frau Rektorin des „Schechter Institute of Jewish Studie“ in Jerusalem, zu dem auch eine Rabbiner Schule gehört. Unter anderem ist sie auch Associate Editor der „Jewish Women: A Comprehensive Historical Encyclopedia“. Sie erhielt viele Auszeichnungen in Israel und den USA und ist Ehrendoktorin der Brown University. 1999 drehte Paula Weinman-Kelman den Film „Rites of Passage“ mit und über Alice Shalvi, er wurde auf dem 6. Jewish Film Festival in Berlin gezeigt.
Nicola Galliner
in England geboren und aufgewachsen, ist Photographin, Autorin und seit 1988 Leiterin der Jüdischen Volkshochschule Berlin; sie organisierte Ausstellungen und gründete 1995 das Jewish Film Festival Berlin. Veröffentlichungen u.a.: Wegweiser durch das jüdische Berlin (1987), „Öffne deine Hand für die Stummen“. Die Geschichte der Israelitischen Taubstummen-Anstalt Berlin-Weissensee 1873 bis 1942 (1993).
Heidi Koschwitz
Sozialarbeiterin und Pädagogin, arbeitet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin und stellv. Geschäftsführerin im Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen und ist Fachredakteurin der Zeitschrift „Soziale Arbeit“. Veröffentlichungen u.a.: Das erste Zentrum sozialer Frauenbildung: Die Gründerinnen Henriette Schrader-Breymann und Hedwig Heyl, in: Tropfen auf heißen Stein (1992).
Barbara Kühnel
nach der Ausbildung zur Erzieherin am PFH, zur Sozialpädagogin an der ASFH und zur Diplompädagogin an der FU Berlin arbeitet sie als Kitaberaterin am PFH und ist für die Fortbildung verantwortlich, daneben ist sie als Fortbilderin u.a. in Rupenhorn und dem Forum Berufsbildung tätig.
Renate Müller
nach der Ausbildung zur Erzieherin am PFH und zur Sozialpädagogin an der ASFH arbeitet sie als Kitaleiterin am PFH, sie hat eine Zusatzausbildung in Psychodrama und in Supervision.
Dorothee Ruddat
war nach dem Studium der Sozialpädagogik in verschiedenen sozialpädagogischen Arbeitsfeldern tätig und engagierte sich besonders für den Aufbau der Nachbarschaftsarbeit des PFH, sie ist jetzt Leiterin des „Nachbarschafts- und Familientreffpunkts“.
Iris Schröder
Historikerin, war als Lektorin am „Centre d'études et de recherches allemandes“ an der EHESS in Paris tätig, am Aufbau eines interdsziplimären Zentrums für Deutschlandstudien beteiligt und promovierte nach Forschungsaufenthalten in Jerusalem, New York und Washington an der FU Berlin. Sie ist Forschungsstipendiatin am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte. Veröffentlichungen u.a.: Wohlfahrt, Frauenfrage und Geschlechterpolitik, in: Geschichte und Gesellschaft 21/1995; Bürgerinnen zweier Welten. Jüdische Reformerinnen in der Frankfurter Frauenbewegung um 1900, in: Bürger, Juden Deutsche (1999); Arbeiten für eine bessere Welt. Frauenbewegung und Sozialreform (2001).
Christiane Schuchard
Historikerin und Oberarchivrätin am Landesarchiv Berlin, sie betreut u.a. das Helene-Lange-Archiv, das sich seit 1988 als Dauerleihgabe des Berliner Frauenbunds1945 e.V. im Landesarchiv befindet. Sie hat vor allem zur Geschichte des späten Mittelalters und zur Berliner Geschichte veröffentlicht.
Silvia Staub-Bernasconi
war seit 1976 Dozentin an der Hochschule für Sozialarbeit in Zürich sowie an den Universitäten Trier, Freiburg und Salzburg. Seit 1997 ist sie Professorin für Sozialpädagogik an der TU Berlin mit den Schwerpunkten: Theorie und Methoden Sozialer Arbeit und Menschenrechte. Sie ist Gründungs- und Redaktionsmitglied der Zeitschrift „Olympe Feministische Arbeitshefte zur Politik“. Veröffentlichungen u.a. Systemtheorie, soziale Probleme und Soziale Arbeit: lokal, national, international (1995), darin: Soziale Arbeit und Ökologie 100 Jahre vor der ökologischen Wende. Ein Vergleich der theoretischen Beiträge von Jane Addams und Wolf Rainer Wendt; Lebensfreude dank einer wissenschaftsbasierten Bedürfniskunde?! Aktualität und Brisanz einer fast vergessenen Theoretikerin Sozialer Arbeit: Ilse Arlt (1876-1960), in: Sozialarbeit 1996/3; Mary Parker Follet (1868-1933) Prophetin eines demokratischen Managements in demokratisch strukturierten Organisationen, in: Socialmanagment 2000/5-6.
Cornelia Wenzel
Sozialarbeiterin und Wiss. Dokumentarin, ist Mitarbeiterin des Archivs der deutschen Frauenbewegung in Kassel und leitet das Projekt „Erstellung eines sachthematischen Inventars und elektronische Sicherung von Bildmaterial aus Frauenbewegung und Frauenverbänden 1848-1968“. Veröffentlichungen u.a.: „Jeannette Schwerin“ und „Siddy Wronsky“, in: Wegbereiterinnen der modernen Sozialarbeit (1999).
Petra Zwaka
Historikerin, leitet seit 1991 das Schöneberg Museum und Archiv sowie das Jugendmuseum und seit 2001 auch das Tempelhofer Heimatmuseum. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist u.a. die Erforschung der Schöneberger Frauengeschichte mit dem Aufbau einer Dokumenten- und Fotosammlung sowie Veranstaltungen und Ausstellungen: „Ich bin meine eigene Bewegung“. Frauen-Ansichten aus der Geschichte einer Großstadt (1991) mit gleichnamigen Katalog; Open-Air-Ausstellung zu Minna Cauer (1996).
Adriane Feustel
Historikerin, unterrichtete an der FU und der ASFH Berlin und war am Aufbau einer therapeutischen Modelleinrichtung beleteiligt. Sie leitet das Alice-Salomon-Archiv. Veröffentlichungen u.a.: Hg., Alice Salomon. Ausgewählte Schriften, 3 Bde. (1997 ff.).
Helga Metzner
Soziologin, wirkte an verschiedenen Ausstellungen besonders zur Geschichte des PFH mit. Sie unterrichtet Soziologie am PFH und und an der ASFH. Veröffentlichungen u.a.: Hg. zus. mit S. Ebert, Erziehung im interkulturellen Handlungsfeld (1999).
Sabine Sander
Historikerin und Wiss. Dokumentarin, war u.a. im Werkbundarchiv und in Ausstellungsprojekten zur Frauen- und Regionalgeschichte tätig. Sie leitet Bibliothek und Archiv des PFH. Veröffentlichungen u.a.: verschiedene Beiträge in: „Ich bin meine eigene Bewegung“ (1991).
Erika Sommer
Historikerin und Germanistin, wirkte an verschiedenen Ausstellungen besonders zur Geschichte des PFH mit. Sie unterrichtet Jugendliteratur, Deutsch und Sozialkunde am PFH.

