Alice Salomon Archiv der ASH Berlin

Aktuelles

Aktuelles   Magazin 2001-2007   2004: 2. Colloquium

2. Colloquium
des Archiv- und Dokumentationszentrums für soziale und pädagogische Frauenarbeit

Programm

Special Guests

Referenten, -innen

Moderatoren, -innen

Archiv des PFH und Alice-Salomon-Archiv / ASFH
11. Juni 2004

Europa und Amerika
Unterschiedliche Vorstellungen des Sozialen ?

Europe and America
Different Conceptions of the Social ?

„Es wäre interessant, einmal dem Wandel der Terminologie in der Sozialen Arbeit nachzugehen. Denn in ihm liegt auch die Veränderung von Zielen, Motiven und Inhalten unseres Gebietes umschlossen.“ Mit diesen Worten leitete Alice Salomon ihren letzten Artikel ein, den sie in Deutschland 1933 veröffentlichen konnte. Es dauerte nicht lange, bis der Begriff aus dem Sprachgebrauch in Deutschland ganz verschwand und Alice Salomon als eine der prominentesten Vertreterinnen der Sozialen Arbeit aus Deutschland vertrieben wurde. Zuflucht fand sie in den USA, dem Land, von dem sie in den zwanziger Jahren geschrieben hatte: „Ich ging hinüber, weil man mir sagte, ich könne den Amerikanern das neue Deutschland 'interpretieren'. Im Interesse einer Verständigung zwischen den Völkern scheint es mir aber ebenso wichtig, den Deutschen Amerika zu 'interpretieren', das Beste von Amerika, seine werdende soziale Kultur.“
Was ist mit sozialer Kultur gemeint? Worauf gründet sie sich und wie wird sie umgesetzt? In welchem Verhältnis werden Eigen- und soziale Verantwortung gesehen? Die Fragen werden an historischen und gegenwärtigen Beispielen aus den USA und Deutschland erörtert.
Das Colloqium zum Abschluß der Edition „Alice Salomon. Frauenemanzipation und soziale Verantwortung“ bietet eine Möglichkeit, unterschiedliche Auffasungen des Sozialen aus theoretischer und praktischer Perspektive kennen zu lernen und im Kontext aktueller Probleme und Fragen zu diskutieren.

Ort:
Pestalozzi-Fröbel-Haus
Haus I, Raum 203
Karl-Schrader-Str. 7-8, D-10781 Berlin

Veranstalter:
Pestalozzi-Fröbel-Haus,
Alice Salomon Hochschule Berlin und
Jüdische Volkshochschule Berlin

Unterstützt durch:
Luchterhand Fachverlag /
Wolters Kluwer Deutschland

Programm

10.00 Uhr
Begrüßung
Sabine Hebenstreit-Müller,
Direktorin des PFH
Christine Labonté-Roset,
Rektorin der Alice Salomon Hochschule

Vorstellungen des Sozialen
Einführung: Sozialpädagogik – Civic Eduacation

10.30 Uhr
The Social Idea of the Pragmatistic School
- George Herbert Mead
Harold L. Orbach

11.00 Uhr
Konzepte des Sozialen in Europa nach 1900
- Alice Salomon
Adriane Feustel

11.30 Uhr
„To add the social function to democracy“
- Civic Education im Hull House Settlement in Chicago
Anja Schüler

12.00 Uhr
Kaffeepause

12.15 Uhr
Bildung und soziale Erziehung: Schule und Sozialarbeit
- Beispiele aus dem Pestalozzi-Fröbel-Haus heute
Hildegard Scherer
Karl Antony

13.00 Uhr
Podiumsdiskussion
Moderation: Rolf Landwehr, Helga Metzner

14.00 Uhr
Mittagspause mit Buffet
und Ausstellungen: „Alice Salomon“ und „Arbeit und Lernen“

Erinnerungen an Alice Salomon

15.00 Uhr
Zur Begrüßung:
Nicola Galliner,
Jüdische Volkshochschule Berlin
Im Gespräch:
Ilse Salomon Eden, Berkeley
Hannah Salomon Janovsky, New York
Joachim Wieler

15.45 Uhr
Szenische Darstellung
Studentinnen der ASFH Berlin

16.00 Uhr
Kaffeepause mit Archivbesuch

Verleihung des Alice-Salomon-Award an Fadéla Amara

16.30 Uhr
Laudatio
Christine Labonté-Roset
Preisträgerlecture

17.30 Uhr
Empfang

Special Guests

Ilse Eden
Großnichte von Alice Salomon, 1928 in Berlin geboren, lebt in Berkeley, wo sie bis heute als Sozialarbeiterin/-therapeutin tätig ist. Sie emigrierte 1939 mit einem Kindertransport nach England. Sie bewahrte das Manuskript der Lebenserinnerungen von Alice Salomon auf.

Hannah Janovsky
Großnichte von Alice Salomon, 1933 in Köln geboren, lebt in New York. Sie emigrierte 1935 mit ihren Eltern, dem Soziologen Albert Salomon und der Ärztin Ruth Salomon. Als Jugendliche hat sie ihre Großtante in New York häufig besucht.

Alice Salomon Award 2004 an:
Fadéla Amara,
Präsidentin der Association „Ni Putes, Ni Soumises“, die Frauen und junge Mädchen jeglicher Herkunft und jeglichen religiösen Bekenntnisses in den Randbezirken, den „banlieues“, der französischen Städte ermutigt, gegen Ghettoisierung und für Gleichheit, gegen Diskriminierung, Gewalt und für die eigenen Rechte und Freiheit öffentlich aufzutreten. „Ni Putes, Ni Soumises“ („Weder Huren noch Unterworfene“), im März 2003 gegründet, hat heute ca. 1700 Mitglieder in ca. 30 lokalen Komitees und ist mit eindrucksvollen öffentlichen Aktionen hervorgetreten, u.a. dem „Appel National des Femmes des Quartiers des Banlieues“ und einer Frauenuniversität. Fadéla Amara hat für ihr Buch „Ni Putes Ni Soumises“ den „Prix du Livre Politique“ der französischen Nationalversammlung erhalten. „Ce livre illustre la manière dont ces jeunes femmes et ces jeunes filles des cités ou des quartiers défavorisés ont su transformer une grande souffrance en une immense espérance.“ (Das Buch zeigt, wie die jungen Frauen und Mädchen der benachteiligten Quartiere großes Leid in eine großartige Hoffnung umwandeln konnten.)

Referenten, -innen

Harold L. Orbach
Soziologe, Kansas State University, Forschungsschwerpunkte: amerikanischer Pragmatismus, besonders „Chicago Sociology“ und „Chicago Women’s School of Sociology“, Neuherausgabe der Werke George Herbert Meads.

Adriane Feustel
Historikerin, Leiterin des Alice-Salomon-Archivs, Herausgeberin der Ausgewählten Schriften Alice Salomons „Frauenemanzipation und soziale Verantwortung“, 3 Bde. (1997-2004)

Anja Schüler
Historikerin, Forschungsaufenthalte in den USA, promovierte mit der historischen Studie „Frauenbewegung und soziale Reform im transatlantischen Dialog: Jane Addams und Alice Salomon, 1889-1933“ (2004).

Hildegard Scherer
Sozialpädagogin, Projektleiterin der Schulstation „Schuloase – Schulbezogene Sozialarbeit in der Neumark-Grundschule“.

Karl Antony
Sozialpädagoge und Familientherapeut, Leiter des Projekts „Arbeiten und Lernen“ am PFH Berlin.

Christine Labonté-Roset
Soziologin, Rektorin der ASFH Berlin, Präsidentin der European Association of Schools of Social Work und Vizepräsidentin der International Association of Schools of Social Work.

Nicola Galliner
Photographin und Autorin, seit 1988 Leiterin der Jüdischen Volkshochschule Berlin und Gründerin des jährlichen Jewish Film Festival Berlin.

Moderatoren, -innen

Rolf Landwehr
Soziologe, Leiter der Forschungsabteilung der ASFH, übersetzte die Autobiographie Alice Salomons; Forschungsschwerpunkt: jüdische Sozialarbeit.

Helga Metzner
Soziologin, unterrichtet am PFH und an der ASFH, veröffentlichte zus. mit S. Ebert: Erziehung im interkulturellen Handlungsfeld (1999).

Joachim Wieler
Sozialarbeiter u. Master of Social Work, FH Erfurt, Forschungen über das Exil Alice Salomons in den Vereinigten Staaten. Seiner Initiative sind Wiederauffindung und Veröffentlichung der Autobiographie Alice Salomons in Deutschland zu verdanken

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