- Besonderes Zitat: Zum Semesteranfang Wintersemester 2011/12
- Special Document: Mai 2011 zum 28. Mai 1937
- Special Document: Mai 2011 zum 5. Mai 1933
- Besonderes Zitat: April 2011 zum Geburtstag von Alice Salomon
- Special Document: Zum Semesteranfang Sommersemester 2011
- Besonderes Zitat: März 2011 zum Reaktorunglück in Fukushima
Die Frau als soziale Erzieherin muss erkennen "that it [social life] is not simply an affair of the family, the neighbourhood, the group of friends, the visiting circle, the rank or class to which she may herself belong; but that it means the intertwined life of the whole community, from the highest to the lowest, civil and military, official and unofficial, men and women, with all its customs, institutions, prejudices and ideals."
Lady Ishbel Aberdeen 1904 auf dem Internationalen Frauenkongress in Berlin. Die Britin, Ishbel Aberdeen war langjährige Vorsitzende des International Council of Women und Vorbild für Alice Salomon.
Auf dieses Zitat sind wir im Rahmen unseres Forschungsprojektes INSAS gestoßen, in dem wir nach wichtigen Dokumenten für das Verständnis des Werkes von Alice Salomon und der Entwicklung der modernen Sozialen Arbeit suchen und sie digitalisieren. Eine solche wichtige Quelle ist die Kongress-Dokumentation: Der Internationale Frauen-Kongress in Berlin 1904, hrsg. v. Marie Stritt erschien in Berlin 1905. (Unser Zitat findet sich auf S. 11). Auf dem Kongress wurden Themen zu Frauenbildung, zu Frauenerwerb und Frauenberufen, zu sozialen Einrichtungen und Bestrebungen behandelt ebenso wie zur rechtlichen Stellung der Frau. Alice Salomon gehörte dem Organisationskomitee an und leitete die Sektion zu Frauenerwerb und Frauenberufe. Der Kongress-Bericht wurde uns vom Helene-Lange-Archiv/Landesarchiv Berlin zur Verfügung gestellt, das sich an dem Projekt INSAS beteiligt. » Zur Quelle
Das Gestapoverhör von Alice Salomon am 26. Mai 1937
Am 26. Mai 1937 wurde Alice Salomon von der Gestapo während mehrerer Stunden verhört. anschließend wurde ihr mitgeteilt, dass sie Deutschland binnen dreier Wochen verlassen müsse, andernfalls drohe ihr die Einweisung in ein Konzentrationslager. Alice Salomon verließ am 12. Juni 1937 Berlin und Deutschland. Während ihres vorübergehenden Aufenthaltes in England wohnte sie in London bei einer Freundin, Mrs. Franklin, der Vorsitzenden des Bundes Britscher Frauenvereine. Dort verfasste sie in Englisch ein Gedächtnisprotokoll über ihr Verhör durch die Gestapo, datiert auf den 16. Juni 1937. Am 3. September 1937 erhielt sie ein Einreisevisum für die USA und reiste am 22. September 1937 ab.
Das Memorandum befindet sich im Leo Baeck Insitute New York. Es ist abgedruckt im 3. Band der Ausgewählten Schriften Alice Salomons (Luchterhand Verlag 2004). Eine Übersetzung findet sich in: Jochim Wieler, Erinnerung eines zerstörten Lebensabends. Alice Salomon während der NS-Zeit (1933-1937) und im Exil (1937-1948), Darmstadt 1987, S. 165-176. » Zum Memorandum
Vertraulich
Berlin, den 9.5.33.
Ich erlaube mir, Ihnen anbei das Protokoll der Sitzung vom 5. Mai 1933 zu übersenden, in der die Auflösung der Deutschen Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit beschlossen ist.
Dr. Alice Salomon
» Zum Protokoll der Sitzung vom 5. Mai 1933
Die Deutsche Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit (Frauenakademie) war 1925 von Alice Salomon in Kooperation mit zahlreichen Ausbildungsstätten und Verbänden der Sozialen Arbeit gegründet worden, um Frauen für Führungspositionen in der Wohlfahrtspflege, Lehrkräfte für die Sozialen Schulenakademisch zu qualifizieren und um Forschungen durchführen zu können und der Sozialen Arbeit neue Impulse zu geben. Lehre und Forschung wurden u.a. von einer großen Zahl jüdischer Dozentinnen und Dozenten getragen.
In den acht Jahren ihres Bestehens hat sich die Frauenakademie ein hohes Ansehen erworben. In ihren sozialpolitischen und wissenschaft-lichen Vortragsreihen traten viele namhafte Persönlichkeiten auf, wie Gertrud Bäumer, Albert Einstein, Romano Guardini, C.G. Jung, Eduard Heimann, Eduard Spranger, Helene Weber. Von gesellschaftspolitischer Bedeutung war auch das Forschungsprojekt der Frauenakademie über "Bestand und Erschütterung der Familie in der Gegenwart". Es war die erste empirische Untersuchung der modernen Familie in Deutschland und das erste großangelegte Forschungsvorhaben der Sozialen Arbeit und der Frauenforschung. Bis 1933 erschienen dreizehn von geplanten 27 Bänden. Diese Entwicklungen wurden 1933 abgebrochen und gerieten über einen langen Zeitraum in Vergessenheit.
"Wenn nun hier von "sechzig Jahren" die Rede gewesen ist, so halte ich es mit einem jungen Schriftsteller, der sagt, man solle dem Wort "alt" nicht immer das Wort "jung", sondern lieber das Wort "neu" gegenüberstellen. In dem Sinne nehme ich für mich in Anspruch nicht alt zu sein, sondern neu - wie jeder wahrhaft Lebende täglich neu wird durch alles, was jeder neue Tag ihm zuträgt. Nun aber möchte ich danken für soviel Güte, Anerkennung und Freundschaft, die mir bewiesen worden ist. Ich kann nicht jedem einzelnen danken. Denn abgesehen von den Behörden, den Wohlfahrtsorganisationen und der Presse sind mir gute Wünsche aus allen Teilen der Welt zugegangen, von Menschen aller Altersstufen von 18 Monaten bis zu 84 Jahren, von Angehörigen aller Berufe, wobei mir aufgefallen ist, daß neben den führenden Frauen Europas und den Sozialpolitikern die Nervenärzte in besonders großer Zahl vertreten waren - obwohl das vielleicht die einzige medizinische Spezialität ist, die mich noch nie zur Reparatur bekommen hat. Nicht nur natürliche und juristische Personen, selbst eine Bergkette und ein Gebirgstal haben mir ihre Wünsche gesendet. Wie ich das alles gelesen habe, was da über mich gesagt und gedruckt worden ist, bin ich mir zum Schluß ganz fremd vorgekommen."
(Ausschnitt aus Alice Salomons Ansprache auf der Feier anläßlich ihres 60. Geburtstages im Pestalozzi-Fröbel-Haus am 25. April 1932)
(Quelle: Bericht über eine Feier anläßlich des 60. Geburtstages von Alice Salomon am 25. April 1932, in: Mitteilungen aus der Barbarossastraße 65, Nr. 3, Mai/Juni 1932, S. 7-11, wieder abgedruckt in Alice Salomon, Ausgewählte Schriften, Bd. 3, München 2004, S. 510)
"Der Schulbetrieb hat also wieder begonnen. Statt mit dem erhofften Schwung mit einer unverständlichen Bummelei. Sechs Dozenten sind überhaupt nicht da - für Krankheit kann man natürlich nichts - aber Urlaub jetzt in diesem notwendigen Vierteljahr. Alice Salomon ist gestern für 4 Wochen nach England gereist, Mennicke ist bis 23. weg usw. Die Stimmung der Teilnehmerinnen war entsprechend sehr missmutig..."
(Aus einem Brief von Gertrud Bernhard an Erich Kühn vom 11.4.1929)
Gertrud Bernhard, verh. Kühn, war Absolventin der Deutschen Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit. Sie studierte an der Akademie von 1928-1929. In dieser Zeit schrieb sie viele Briefe an ihren damaligen Verlobten und späteren Ehemann Erich Kühn. Die Briefe sind ganz besondere und sehr persönliche Dokumente über das Leben in Berlin und das Studium an der Frauenakademie Ende der 1920er Jahre. Das Archiv hat die Briefe von Gertrud Bernhard im Mai 2010 und Januar 2011 in Transkription von der Tochter Gertraud Neitzel geschenkt bekommen.
» Zum Brief von Gertrud Bernhard
"Man lehre sie – ohne einen mildernden Schleier darüber zu breiten –, daß unser Wirtschaftsleben nicht auf dem Gefühl der Nächstenliebe aufbaut, sondern von dem wirtschaftlichen Vorteil des einzelnen getrieben und gesteuert wird."
Alice Salomon, 1909

