Rugiatu Neneh Turay
Warum Frauen Dinge angehen sollten, die ihr Leben bestimmen
Ich freue mich sehr, heute hier zu stehen als Preisträgerin des Alice Salomon Award im Jahr 2010. Meine Heimat ist Sierra Leone an der Westküste Afrikas. Ein Land, das von einem zehnjährigen Krieg verwüstet ist. Ich stehe hier und bin sehr stolz – eine afrikanische Frau, die sehr stolz darauf ist, diese internationale Auszeichnung zu erhalten. Wir haben tatsächlich damit begonnen, Zeichen zu setzen, und seien Sie versichert, dass wir dies auch können.
Ich nehme diesen Preis im Namen meiner Landsleute entgegen, die keine Mühen scheuen, um die Auswirkungen des Krieges verkraften zu können und meinem Land eine neue Entwicklung zu ermöglichen.
Ich nehme diesen Preis für alle Frauen in Sierra Leone entgegen, die unermessliches Leid und unsägliche seelische Qualen durch traditionell übliche und grausame Verstümmelungen und Beschneidungen ertragen haben. All dies erleiden die Frauen im Namen von Bräuchen und Traditionen.
Ich nehme diesen Preis im Namen zukünftiger Generationen entgegen – als Inspiration für den Kampf um die vollständige und dauerhafte Abschaffung dieses Brauchs.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass der Kampf zur Abschaffung dieses Brauchs und zum Schutz zukünftiger Generationen viele Herausforderungen birgt, weil der Brauch in unseren Traditionen tief verwurzelt ist und als heilig erachtet wird. Es ist unbedingt erforderlich, dass Sie als internationales Forum dieses Anliegen unterstützen, damit die Entwicklung einer Gesellschaft gefördert werden kann, in der die Menschenrechte gewahrt werden.
Ich fühle mich sehr privilegiert, Teil dieses Forums zu sein, das Frauen aus verschiedenen Teilen der Welt eine Stimme verleiht. Die Feier macht das Engagement Ihrer Einrichtungen für dieses ehrwürdige Anliegen deutlich - für den Schutz und die Förderung der Rechte von Frauen und Kindern. Ebenso wird damit unterstrichen, dass die Genitalverstümmelung bei Frauen weiterhin ein wichtiges Thema ist, für das sich Frauen engagieren sollten.
Frauen müssen aufstehen und die Dinge angehen, die ihr Leben bestimmen. Denn Frauen haben zwar einen größeren Anteil an der weltweiten Bevölkerung, sind jedoch in allen Bereichen unzureichend vertreten.
Ich möchte noch einmal betonen, dass der Kampf gegen Genitalverstümmelungen bei Frauen immer noch eine große Herausforderung ist, weil dieser Brauch innerhalb bestimmter Länder – so auch in Sierra Leone, woher ich komme – unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Ich bin sicher, dass diese Feier eine hervorragende Gelegenheit bietet, meinen starken Wunsch, die Genitalverstümmelung bei Frauen erneut öffentlich zu verurteilen, tief greifender zu vermitteln, damit er besser verstanden werden kann.
Sehr verehrte Damen und Herren, die Initiative „Amazonian Initiative Movement“ (AIM), die für starke und furchtlose Frauen steht, wurde initiiert, um gegen die seit langem existierende schädigende und verletzende Praxis der Genitalverstümmelung bei Frauen anzukämpfen. Als Gründerin war ich der Ansicht, dass der Kampf gegen die Genitalverstümmelung bei Frauen eine starke Führung erfordert, um bei der Abschaffung dieses Brauchs Fortschritte zu erzielen. Ebenso ist meiner Meinung nach ein disziplinübergreifender, umfassender, koordinierter und einheitlicher Ansatz auf allen Ebenen notwendig, um eine Abschaffung der Genitalverstümmelung bei Frauen weltweit zu erreichen. Deswegen ist es sehr wichtig, dass sich Frauen gegen Umstände aussprechen, die ihr Wohlergehen beeinträchtigen.
Dieser Ansatz steht beim gemeinsamen Programm der AIM im Mittelpunkt und soll die Abschaffung der Genitalverstümmelung bei Frauen, die Abschaffung von frühen Eheschließungen/Zwangsehen und von Vergewaltigungen voranbringen. Wenn Frauen die Gleichstellung mit ihren männlichen Mitmenschen gewinnen wollen, müssen sie die Gelegenheit bekommen, Führungsrollen in der Landwirtschaft und Bildung, im Gesundheitsund Energiewesen sowie in der Entwicklung zu übernehmen. Dadurch werden ihr Wohlergehen und ihre aktive Teilnahme an der Politik gefördert.
Mein Weg als Frauenaktivistin gab mir Möglichkeiten, die ich sonst niemals gehabt hätte. Als Frauenaktivistin arbeite ich direkt mit kommunalen und sozialen Initiativen, politischen Entscheidungsträgern und Organisationen zusammen, um gegen Gefahren für die Gesundheit von Frauen, wie die Genitalverstümmelungen, frühe Eheschließungen und Zwangsehen, Vergewaltigungen, Schwangerschaften bei Jugendlichen usw., vorzugehen. Im Zuge dieser großen Herausforderungen wurde ich zur Stadträtin im Stadtbezirk 172 und zur stellvertretenden Vorsitzenden des District Council von Port Loko gewählt. Ebenso hatte ich dadurch die Gelegenheit, Vorstandsmitglied in zwei Schulen meiner Umgebung zu werden.
Sobald Frauen also mit Bestimmtheit die Dinge angehen, die ihre Entwicklung hemmen und ihre Gesundheit gefährden, hat die Welt weniger Probleme.
Abschließend möchte ich die folgenden Worte zitieren:
Besser als Tausende von Kriegern in einer Schlacht zu besiegen, ist es, einzig nur dein Selbst zu besiegen, dann bist du wirklich siegreich im Kampf. […] Dann kann kein Gott, kein Himmelswesen, kein Mara und selbst Brahma nicht, Dir deinen Sieg mehr nehmen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Ansprache zur Verleihung des Alice Salomon Award der ASH Berlin am 7. Mai 2010 im Pestalozzi- Fröbel-Haus
Übersetzt aus dem Englischen von Tansy Tazewell
Why women need to address issues that affect their lives

It gives me great pleasure to stand here today as the selected 2010 award winner. I come from Sierra Leone which is on the west coast of Africa – a country that has been ravaged by war for a decade. I stand here very proud – a very proud African woman to receive such an international award. Yes we have started making a mark and trust me we can.
I received this award on behalf of my fellow country men and women who are striving very hard to cope with the aftermath of war in redirecting the affairs of my country towards development.
I received this award in trust for all the women of Sierra Leone who have had untold suffering and emotional torture as a result of the traditional practices and crude method of the mutilation or cutting women suffer all in the name of customs and traditions.
I receive this award in trust on behalf of the future generation as an inspiration to fight the cause of total and permanent eradication of the practice.
Let me seize this opportunity to inform you that this fight in eradicating this practice for the protection of the future generation is very challenging as this practice is entrenched in our traditions and customs and it is been held in sacred esteem. There is every need for you in the international forum to support this cause so that a society free from human right violation could be enhanced.
I feel very privileged to be part of this forum, which brings together the voice of other women from all the different parts of the World. The ceremony clearly demonstrate your institution’s commitment to this worthy cause of protecting and promoting the rights of women and children and an indication that FGM is still a weighty issue which requires women who are committed to the cause.
Indeed, women need to stand up and address issues that affect their lives. This is because women make up the greater number of the world’s population yet they are underrepresented in every sector.
It is worth noting that the practice of FGM is still a daunting challenge because of the varying customs prevalence levels within specific Countries including Sierra Leone where I am from. I am sure this ceremony has provided an excellent opportunity to have a deeper insight and shared understanding of my strong desire to renew my public condemnation of female genital mutilation (FGM).
Ladies and gentlemen, Amazonian Initiative Movement (AIM) which means strong and fearless women was formed to fight against the long harmful practice of female genital mutilation. As a founder I thought that the fight against FGM needs strong leadership which is required to make progress on the elimination of female genital mutilation and that a multi disciplinary, comprehensive, coordinated and coherent approach at all levels in achieving abandonment of female genital mutilation worldwide is required. This is the more reason why women need to speak against issues that affect their well being.
This approach is at the core of the Joint programme of AIM to accelerate abandonment of female genital mutilation, early/forced marriages, rape. Therefore, if women want to gain equality with their male counterparts they need to be given an opportunity to lead in agriculture, education, health, energy and development which will help to promote their wellbeing and active participation in politic.
This journey as a woman activist has led me to opportunities that I could have never had. As a woman activist, I work directly with community groups, policymakers, and organizations to address issues affecting women's health such as FGM, early and forced marriage, rape, teenage pregnancy and fistula. This great challenge has led to my being elected as a Councilor of ward 172 and Deputy Chairman of the Port Loko District Council. And have also given me the opportunity to be a Board member of two Schools within my community.
Therefore, once women are determined to address issues that deter their development and put their health at risk, the World will be less of problem.
Finally, let me end by saying:
"It is better to conquer yourself than to win a thousand battles. Then the victory is yours. It cannot be taken from you, not by angels or demons, heaven, or hell."
I thank you.

