Die Kolonisierung der Lebenswelten – Spuren des Kolonialismus in der Sozialen Arbeit in Vergangenheit und Gegenwart (WS 2020/21 und SoSe 2021)

Werkstatt im BA-Studiengang Soziale Arbeit der ASH Berlin

In Deutschland gab es weit über die verhältnismäßig kurz währende Phase der formalen Kolonialherrschaft (1894-1919) hinaus eine weit verbreitete Kolonialbegeisterung, die sich über alle sozialen Schichten und politischen Lager hinweg erstreckte. Viele Verheißungen und Phantasien wurden mit den Kolonien verbunden, darunter auch die Hoffnung, die infolge der Industrialisierung entstandenen, drängenden sozialen Probleme lösen zu können. Auch die Soziale Arbeit, die in dieser Phase im Kontext sozialer Bewegungen – insbesondere der Frauenbewegung – entstand, war auf vielfältige Weise mit dem Kolonialismus verbunden. Diese Verbindungslinien haben tiefgreifende Spuren hinterlassen, mit denen wir uns in dieser Werkstatt in Vergangenheit (WS 2020/21) und Gegenwart (SoSe 2021) beschäftigen.

Im Wintersemester gehen wir Berührungspunkten zwischen der kolonialen Bewegung und der sich professionalisierenden Sozialarbeit im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts nach, zum Beispiel anhand folgender Themen:

  • Koloniale Kulturmissionen in sozialen Reformbewegungen
  • Jugendkulturelle Repräsentationen kolonialer Ideologien
  • Die Produktion von Wissen über ‚die Anderen‘ in den sogenannten kolonialen Wissenschaften
  • Der ‚Kulturauftrag‘ weißer Frauen in den Kolonien und ‚daheim‘
  • Die Rolle des Kolonialismus in der Geschichte der Alice Salomon Hochschule

Im Sommersemester wenden wir uns den Spuren des Kolonialismus in der gegenwärtigen Sozialen Arbeit zu. Dabei werden wir uns mit verschiedenen Themenfeldern beschäftigen. Zum Beispiel geht es darum, rassistische Strukturen in der Sozialen Arbeit zu diskutieren, aber auch Differenz- und Dominanzdiskurse in ihrem Verhältnis zum Kolonialismus zu untersuchen.

Kontakt:

Dayana Lau

Veranstaltungen:

In Zusammenarbeit mit dem Frauen*büro der ASH Berlin fand im Rahmen des Lehrprojektes am 25.1.2021 der Film-Diskussions-Nachmittag "'Wir hatten eine Dora in Südwest' - Die koloniale Frauenbewegung und die frühe Soziale Arbeit" statt.