Lehre

 

Thematische Lehreinheiten

Das ASA bietet thematische Lehreinheiten für Seminargruppen der ASH, aber auch externe Gruppen an. Diese Einheiten können zwischen zwei und vier Zeitstunden dauern und umfassen einen einführenden Impuls und eine Arbeitseinheit mit Archivbeständen. Sie können im Archiv oder an der Hochschule durchgeführt werden. Bei Besuchen vor Ort kann die Einheit mit einer Geländeführung verbunden werden, jedoch ist die Gruppengröße für Besucher*innen auf max. 20 Personen beschränkt. Bitte beachten Sie auch unsere Hinweise zur Barrierefreiheit.

Zu folgenden Themen bieten wir derzeit Lehreinheiten an:

1. Biographische Stationen Alice Salomons und die Geschichte der ASH Berlin

Alice Salomon (1872-1948) ist eine der Schlüsselfiguren in der internationalen Professionalisierungsgeschichte der Sozialen Arbeit. Sie hat fundamental zum Aufbau und Weiterentwicklung der sozialen Ausbildung, der Handlungsmethoden, einer systematischen Wissensbasis und inter/nationaler Netzwerke in der Sozialen Arbeit beigetragen. Die von ihr 1908 gegründete, erste interkonfessionelle soziale Frauenschule besteht bis heute als Alice Salomon Hochschule Berlin. Als in eine jüdische Familie geborene konvertierte Christin und Pazifistin wurde sie von den Nationalsozialisten vertrieben. Sie verbrachte ihre letzten Lebensjahre im Exil in den Vereinigten Staaten von Amerika und kehrte nie nach Deutschland zurück.

Entlang ausgewählter biographischer Stationen und archivarischer Dokumente der sozialen Frauenschule Berlin-Schöneberg erschließen sich die Studierenden diese bewegte Biographie der Sozialen Arbeit. Zugleich erhalten sie Einblick in die Vielfalt der Archivalien und Herausforderungen der historischen Forschung in der Sozialen Arbeit.

2. Zur Geschichte der Forschung in der Sozialen Arbeit: Die Deutsche Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit (1925-1933) und ihre Familienforschungen

Neben die 1908 von Alice Salomon gegründete soziale Frauenschule trat Mitte der 1920er Jahre die ‚Deutsche Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit‘. Diese diente der akademischen Fortbildung von Wohlfahrtspflegerinnen bzw. der Einführung in die Soziale Arbeit für Akademikerinnen. Die Forschungsabteilung der Akademie bildete das erste Institut für Sozialarbeitsforschung in Deutschland und wurde von Alice Salomon und Kolleginnen als Ort kritischer Wissenschaft ‚von und für Frauen‘ jenseits der Universität konzipiert. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten lösten die Mitglieder der Akademie die Einrichtung selbst auf.

In der kurzen Zeit des Bestehens der Akademie führten einige ihrer Mitarbeiter*innen   gemeinsam mit Wissenschaftler*innen, Praktiker*innen und Studierenden ein breit angelegtes Forschungsprojekt zu ‚Bestand und Erschütterung der Familie in der Gegenwart‘ durch. Die 13 publizierten Bände umfassen grundlegende, aber auch praxisorientierte empirische Gegenstände und Fragestellungen. Ihre thematisch und methodisch vielfältigen Ansätze waren wegweisend für die Entstehung empirischer Forschung in der Sozialen Arbeit.

Die Lehreinheit bietet einen Einblick in die Geschichte der sozialen Frauenschule und der Akademie und legt dabei einen Schwerpunkt auf die Entstehung von Forschung in der Sozialen Arbeit. Dabei wird sowohl das Zusammenspiel der verschiedenen sozialen Bewegungen als auch deren transnationale Verflechtungsgeschichte in den Blick genommen. Entlang von Dokumenten zur Akademiegeschichte und den Publikationen des Forschungsprojektes werden Fragestellungen, Zugänge und Ergebnisse der frühen Forschungen vorgestellt und diskutiert.

3. Soziale Arbeit im Nationalsozialismus und die Rolle der ‚Volkspflegeschule‘ in Berlin-Schöneberg

Die Nationalsozialistische Volkspflege (NSV) nahm in der Umsetzung der nationalsozialistischen Bevölkerungspolitik eine aktive Rolle ein. Volkspfleger*innen beteiligten sich an der ‚Endlösung‘ der sozialen Frage und orientierten sich dabei an rassistischen und faschistischen Vorstellungen von ‚Wert‘ und ‚Unwert‘ von Menschenleben. Die NSV setzte eugenische Maßnahmen um und bereitete breit angelegte Zwangsmaßnahmen, Sterilisationen und Krankenmorde mit vor.

In den gleichgeschalteten Ausbildungsstätten wurde ab 1933 nationalsozialsozialistisches Gedankengut gelehrt und die Schülerinnen ideologisch auf ihre Tätigkeit in der Volkspflege vorbereitet. Auch die von Alice Salomon gegründete Wohlfahrtsschule bildete ab den frühen 1930er Jahren NS- Volkspflegerinnen aus. Dabei übernahm die im Jahr 1925 von Alice Salomon selbst eingesetzte Schulleiterin Charlotte Dietrich eine entscheidende Rolle.

In einem einführenden Teil erhält die Gruppe Einblick in die Geschichte der sozialen Ausbildungsstätte Berlin-Schöneberg mit Schwerpunkt auf die Jahre 1933 bis 1945. Dabei wird die (Mit)Täterinnenschaft von Sozialarbeiterinnen im NS veranschaulicht, problematisiert und diskutiert. Darüber hinaus werden Schicksale von nationalsozialistisch Verfolgten sowie widerständige Aktivitäten von ehemaligen Angehörigen der Schule thematisiert. Anschließend arbeitet die Gruppe mit verschiedenen Dokumenten aus der NS-Zeit. Dazu gehören Berichte von Volkspflegeschülerinnen aus ihren Praktika, Unterrichtspläne der Schule sowie ein Vortrag von Charlotte Dietrich über die Bedeutung der NS-Volkspflegerin aus dem Jahr 1943, der als Schulungsbrief genutzt wurde.

4. Widerstand in der Sozialen Arbeit im Nationalsozialismus

Mit der nationalsozialistischen Machtergreifung wurden die Strukturen und Institutionen der Sozialen Arbeit weitgehend gleichgeschaltet oder zerstört. Der weit überwiegende Teil der Angehörigen der sozialen Berufe begrüßte den neuen Staat und leistete der Umsetzung der rassistischen und faschistischen Bevölkerungspolitik als Mitläufer*innen, Kollaborateur*innen oder Täter*innen erheblich Vorschub. Ein weiterer Teil dieser Berufsgruppe wurde nunmehr verfolgt, vertrieben, deportiert und ermordet. Dazu gehört auch Alice Salomon, die ab 1933 ihre Schule nicht mehr betreten durfte und 1937 gezwungen wurde, das Land zu verlassen. Einige Sozialarbeiter*innen leisteten aktiven Widerstand und nutzten dazu die Strukturen und Netzwerke der Sozialen Arbeit. Zu diesen gehörte auch eine Reihe von Dozent*innen und Schüler*innen der sozialen Frauenschule Berlin-Schöneberg. Die Formen des Protestes und des Widerstands waren vielfältig, sie aufzuarbeiten bildet bis heute eine Herausforderung für die Historiographie Sozialer Arbeit.

In dieser Lehreinheit wird grundlegend in die Geschichte der sozialen Frauenschule eingeführt, die während des Nationalsozialismus als Volkspflegeschule existierte. Darüber hinaus wird die Forschung zum Widerstand in der Sozialen Arbeit vorgestellt. Für den interaktiven Teil wird ein biographischer Ansatz gewählt. Die Teilnehmer*innen arbeiten an Dokumenten und Quellen zu widerständigen Aktivitäten und Persönlichkeiten, die mit der Geschichte der sozialen Schule in Berlin-Schöneberg verbunden sind.

 

 

Digitale Archivalien

Darüber hinaus stellt das ASA digitalisierte Dokumente bereit, die Sie für Ihre eigene Lehre nutzen können.