Vortrag: Lernen/Lehren aus der Geschichte? Vortrag mit Manfred Kappeler | 21.1.2026, 18:00

Ringvorlesung zum Thema „Soziale Arbeit und Nationalsozialismus“. Der Vortrag findet an der ASH Berlin statt, eine Online-Teilnahme ist nach Anmeldung möglich. Weitere Informationen hier.

Abstract zum Vortrag

Die Machtübergabe an Hitler im Januar 1933 und die ihr folgende Installierung der NS-Herrschaft war m.E. kein überwiegend von „Diskontinuitäten“ gekennzeichneter „Zivilisationsbruch“. Im Sinne von Adorno gehe ich von Kontinuitäten aus, d.h. dass jeder Augenblick der Geschichte sein Vor-Her und sein Her-Nach hat. Es handelt sich bei dieser Auffassung nicht um die Unterstellung eines einfachen Kausalitätsprinzips, mit dem die Geschichte als ein linearer Prozess verstanden wird, sondern um die Annahme, dass jede zeitlich eingrenzbare Epoche der Geschichte eines Volkes, eines Staates, einen ökonomischen und sozial-kulturellen Kontext hat. Das gilt auch für die Soziale Arbeit, die im NS-Staat ganz überwiegend dessen Absichten und Zielen diente. Es kann daher heute nicht nur um die „Aufarbeitung“ der Beteiligung gehen. Ebenso wichtig sind die Fragen, wie es zur Mit-Täterschaft an der sozialrassistischen NS-Bevölkerungspolitik kommen konnte, wieso Teile dieser Praxis nach 1945 weitergehen konnten und warum es in den sog. Nachkriegsjahren in den Organisationen und Institutionen der Sozialen Arbeit nicht zu einer kritischen Auseinandersetzung mit ihrer NS-Geschichte kam. In meinem Vortrag geht es um die Bedeutung eines adäquaten Geschichtsverständnisses für Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit heute, also um die Frage, ob und was wir aus der Geschichte unserer Profession lernen können.

Dr. phil. habil. Manfred Kappeler (Jg. 1940) Volksschule, Bäcker, Wehrdienst, Sozialarbeiter, Diplompädagoge, Ausbildung zum analytischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Praxis in der Heimerziehung, Bewährungshilfe, Offenen Jugendarbeit, Drogenarbeit, Supervision, Aus- und Weiterbildung von Fachkräften. 1973-1988 Berufsverbot für eine Tätigkeit als Sozialarbeiter/Sozialpädagoge/Hochschullehrer im Öffentlichen Dienst. 1989-2005 Professor für Erziehungswissenschaft/Sozialpädagogik an der TU Berlin. Schwerpunkte: Kinder- und Jugendhilfe, außerschulische Jugendbildung, Jugend und Drogen, Geschichte Sozialer Arbeit. Seit 2005 Unterstützer der Initiative ehemaliger Heimkinder. Diverse Veröffentlichungen. Träger des Bundesverdienstkreuzes.